Ist Dir dein Tier in Freiberg weggelaufen dann hast Du wahrscheinlich das Nachsehen

Irgendwie haben wir es schon immer gewusst, dass der Verlierer eines Tieres in der Stadt Freiberg seit 01.01.2015 das Nachsehen hat. In einem jüngsten Fall konnten wir feststellen, dass die Kosten für den Besitzer dramatisch gestiegen sind. Gemeint sind die Kosten für die Unterbringung des Tieres, die bis zu dem Zeitpunkt entstehen, wo sich der rechtmäßige Besitzer meldet und sein weggelaufenes Tier wieder in Empfang nehmen möchte.

Anfang August traf dieses Schicksal die Hundetrainerin Kathleen Müller, die am Ende der Claußallee eine Hundeschule nebst Tierpension betreibt. Auf dem Gelände hält sie sich eine Gruppe von Kaninchen, die zusammen in einen großen Auslaufgehege herumtoben können.

Einer von diesen Kameraden hatte sich wohl gedacht, den Kaninchendamen im Nebengehege einen Besuch abzustatten und büchste einfach mal aus. Der Ausflug ins Grüne dauerte nicht allzu lang, da wachsame Freiberger das Kaninchen auf der Flucht stellten und als Fundtier in Freiberg anzeigten.

Da die Stadt Freiberg seit 2015 nicht mehr mit unserem Tierheim "Albert Schweitzer" zusammen arbeiten möchte, haben sich die Stadtväter entschlossen, die Dienstleistung einer Privatpension für die Unterbringung von Fundtieren in Anspruch zu nehmen. Somit erfolgt die Verwahrung dieser besonderen Fundstücke in einer ganz normalen Tierpension und in keinem Vereins getragenen Tierheim. Allerdings sind die Kosten für den normalen Bürger, der sein Tier verlieren könnte, nicht mehr ganz nachvollziebar.

In dem uns bekannten Fall ergaben sich sogar zwei verschiedene Preise, einen den die Pension direkt verlangt hat und einen den die Stadt Freiberg berechnet hat. Der mündige Bürger müsste daher die Frage stellen dürfen, wieso das denn? Fakt ist: Der Verlust des Tieres wurde sehr zeitnah festgestellt und der Aufenthalt des Kaninchen hätte nach zwei Stunden beendet werden können.

Leider verhinderte den baldigen Auszug aus der Tierpension in die heimischen Kaninchengruppe, die Botschaft, dass die Herausgabe des Tieres 48 € kosten sollte. Was sicher nicht nach einem Schnäppchen klingt. Herr Müller, der das Tier abholen wollte, hatte nicht mal soviel Kleingeld dabei: "Er solle am nächsten Tag wieder kommen und sollte dann noch einen zusätzlichen Tagessatz zahlen."  Frau Müller, die sich in dieser Branche auch mit den Preisen auskennt, verschlug es erstmal die Sprache. Wie kann ein solches Tier über diese kurze Zeit so viel Kosten verursachen? Das Kaninchen war doch nun keine Woche zur Urlaubspension oder sowas?

Die umgehende Nachfrage, eher die Beschwerde im Ordnungsamt der Stadt Freiberg brachte keine weiteren Erkenntnisse. Alles wäre Rechtens! Jedoch könne die Abrechnung auch über die Stadt Freiberg erfolgen. Erstaunlicher Weise kostete die Unterbringung des Fundtieres nun aber weniger, nämlich nur noch 34,51 €. "Wie das?", fragt man sich da.

Welche Kosten werden hier eigentlich erhoben, bzw. an die Stadt Freiberg weiter berechnet? Sollten die Kosten für den Bürger nicht gleich hoch sein, egal wer nun die vorübergehende Betreuung in Rechnung stellt. Wieso gibt es überhaupt eine Differenz? Wie transparent und nachvollziehbar sind überhaupt die Kosten für den einstweiligen Verlierer seines Tieres?

Es ist zwar festzustellen, dass die in Anspruch genommene Dienstleistung zu erstatten ist. Die Stadt Freiberg begründet den Widerspruch zum Kostenbescheid von Frau Müller zwar sehr ausführlich. Allerdings fragt man sich immer noch, welche Kostengrundlage nun besteht?

In den 21 Jahren, wo der Tierschutzverein Freiberg e.V. die Betreuung der Fundtiere für die Stadt Freiberg erledigte, gab es eine klare Kostenaufstellung. Würde man die aktuellen Preise des Tierheim "Albert Schweitzer" zu Grunde legen, wäre die Kostensituation für den Bürger wesentlich günstiger und nachvollziehbarer.

Die Kosten hätten in diesem Fall maximal 13,52 € betragen und würden sich wie folgt zusammensetzen:

Diese Preise sind für die Betreuung eines Kaninchen durchaus Orts üblich. Leider beobachten wir, dass man eine einfache Dienstleistung durchaus mit weiteren Kosten aufpeppen kann. Die Entscheidung Gebühren für die Aufnahme eines Tieres oder einer Endreinigung zu verlangen ist schnell getroffen und kann ein weiteres Loch in den Geldbeutel reißen. Nachvollziehbar wäre noch einen Deckungsbeitrag für eine Stunde Arbeit in Höhe von rund 25 € zu berechnen. Seriöse Anbieter verzichten aber auf solch eine Vorgehensweise, weil mit dem Tagessatz eigentlich alle Kosten abgedeckt sein sollten.

Aber mit welchen Dreh kann man die erbrachte Tierbetreuung noch um weitere 14 € toppen? Das ist selbst für einem Tierpfleger im Tierheim "Albert Schweitzer" ein Rätsel. Außerdem ist uns bekannt, dass mit der Tierpension keine Fahrtdienstleistungen vereinbart sind. Das würde aber bedeuten, Fahrtkosten könnten nur von der Stadt erhoben werden.

Meistens fallen aber gar keine Fahrtkosten an, da Finder per se nett sind und das Tier persönlich im Tierheim oder in der Tierpension abgeben. Die Leistung des Finders ist altruistisch und ein klarer Fall von Nächstenliebe. Ein Finder übt Verantwortung aus möchte einfach nur helfen.

Durch den hier geschilderten Fall fragen wir uns, welche Kosten erwarten Hunde- oder Katzenbesitzer, wenn der Besitzer eines weggelaufenen Kaninchens schon mal 35 € los werden kann. Wie man sieht, kann sich da eine Menge Unmut anstauen. Vorallem wenn man am Ende seiner Odyssee erfahren muss, dass die Erstattung der Betreuungskosten mit zweierlei Maß gemessen wird und der Besitzer des Tieres das große Nachsehen hat.

Schreiben Sie uns daher einen Kommentar, wenn Sie speziell in Freiberg ähnliche Erfahrung mit einem weggelaufenen Tier gemacht haben. Oder teilen Sie uns Ihre generelle Meinung zu Fundtieren mit. Tiere sind heute ein Teil der Familie und sollten auch die entsprechende Aufmerksamkeit erhalten.

Sagen sie uns mit unserer Umfrage, wo würde Sie Ihr entlaufenes Tier lieber abholen wollen?


Von Thomas Weigel | 14. September 2016 | Informationen | 2 Kommentare


2 Gedanken zu Ist Dir dein Tier in Freiberg weggelaufen dann hast Du wahrscheinlich das Nachsehen

  • Aria sagt:

    Ich finde es ungeheuerlich das der Verlust und Fund eines Tieres so schamlos ausgenutzt wird.
    Man macht sich schon unheimliche Sorgen um sein Tier, ist total erleichtert das es gefunden wurde und muss dann vielleicht eine Summe bezahlen, die man nicht einmal auslegen kann?
    Wenn für ein Kaninchen, das nur einen Tag lang in der Pension verharren musste, schon 30€ bzw. 40€ verlangt werden, wie viel soll man dann bezahlen wenn einem der Hund entlaufen ist?
    Nicht alle Hundebesitzer können mal schnell 100€ für einen Tag Pension zahlen.
    Man stelle sich vor: Der Besitzer kommt sofort zur Abholung, kann aber die 100€ nicht bezahlen.
    Dann muss er warten, bis er das Geld zusammen gespaart hat. ABER! Inzwischen ist der Hund schon 5 Tage in der Pension. Nun muss man also 500€ bezahlen!
    Die kann sogar dazu führen, das der rechtmäßige Besitzer nie wieder in der Lage ist sein Tier abzuholen, einfach weil man so dreist ist diese unmöglichen Betreuungskosten zu erheben. An die Tiere wird dabei anscheindend mal wieder überhaupt nicht gedacht.

    Auch, dass zwei verschiedene Preise entstehen, aber NIEMAND auflisten kann woraus genau sich der Preis zusammensetzt ist sehr dubios. Wo ist das denn bitte seriös? Das grenzt an Willkür und Geldgier.

    Fundtiere gehörten und gehören schon immer ins Tierheim! Das ist die Stelle an der jeder Besitzer zuerst nachfragt und nicht in einer Random Pension. Außerdem ist das Tierheim nicht so Geldgeil, dass es einem das eigene Tier so überteuert das man es nicht wieder nach Hause holen kann.
    Es ist einfach eine unverschämtheit was diese Pension und auch die Stadt da machen und ich hoffe sehr, dass man die Stadt wieder zur zusammenarbeit mit dem Tierheim bewegen kann.

    Ich weiß, dass viele der Meinung sind das Tierheim sei ja „selbst Schuld“ und vielleicht hat das Tierheim auch einige Fehler gemacht. Aber das was hier passiert ist, ist auch nicht besser! Und mit dem Tierheim kann man wenigstens jederzeit reden und wird angehört.

    • Webmaster sagt:

      Vielen Dank Aria für deine Meinung. Du hast das sehr gut erklärt. Zu Tagespreisen können uns nur Tierbesitzer berichten, die eventuell die gleiche Situation erlebt haben. Ob bei einen Hund mit solchen Kosten zu rechnen wäre, hoffen wir natürlich nicht.

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