Fundtierunterbringung für die Stadt Freiberg im Tierheim „Albert Schweitzer“ zum 2.Mal gescheitert

Abermals wurde unser Angebot für die Freiberger Fundtiere zu Gunsten eines anderen Anbieters ausgeschlagen. Nach unserer Kündigung 2014, mangels Kosten deckenden Auslagenersatz, hatte die Stadt Freiberg einen Vertrag mit der Tierpension Uhlig in Freiberg geschlossen. 2016 kündigte die Tierpension den Vertrag aber wieder. Auf Anfrage des Ordnungsamtes Freiberg legten der Tierschutzverein im November 2016 eine identisches Angebot zu 2014 vor.

Wir erklären, warum das Tierheim „Albert Schweitzer“ kein Partner für die Stadt Freiberg wurde.

Mit Einführung des Mindestlohn 2014 hinterfragte der Tierschutzverein Freiberg e.V. seine Kostensituation im Tierheim „Albert Schweitzer“ und erstellte eine umfangreiche Kalkulation. Die Kostenerstattung für die Fundtierbetreuung verzeichnete seit 2013 eine wachsende Differenz. Zuletzt musste der Verein mehr als 10.000 € aus anderen Quellen zuschustern, um die Betreuung von Fundtieren zu gewährleisten. Auf dem Jahresabschluss 2014 stand ein fettes Minus. Mit der Aussicht auf steigende Lohnkosten kündigte der Verein bestehende Verträge.

Der Grund: Ab 2010 schwanden die Förderleistungen für Beschäftigungsmaßnahmen beträchtlich. Mit Ablauf der Bürgerarbeit verebbte 2013 die letzte Arbeitsförderung. Der Verein finanzierte von nun an 1000 Arbeitsstunden pro Monat aus eigener Tasche. Dieser Arbeitsaufwand verteilt sich auf eine Quarantäne, einen Hunde- und Katzenbereich, sieben Tage die Woche.

Der Verein bot 2014 allen Partnergemeinden neue Verträge an. Weitere Gemeinden, wie Grossschirma und Weißenborn gesellten sich hinzu. Die Stadt Freiberg schlug das Angebot mit schwerwiegenden Unterstellungen durch den damaligen Amtsleiter Herr Gerhardt als überteuert aus. Die Kalkulation wurde damals nicht hinterfragt.

Zum 18.10. 2016 ging eine erneute Anfrage der Stadt Freiberg im Tierheim ein: Ein Angebot bis zum 24.11.2016 einzureichen. Nach der Abgabe lud die Amtsleiterin Frau Liebernickel zu einem Gespräch zum 13.12.2016 ein.

Eine Woche vor dem Termin erhielt die Tierheimleiterin Frau Otto durch den Bürgermeister Sven Krüger ein telefonisches Gegenangebot, was rund 16 Prozent geringer ausfiel. Wenn sich der Verein mit diesem Betrag einverstanden erklären würde, wäre ein Gesprächstermin nicht mehr nötig. Aufgrund der vorliegenden Angebote wäre damit ein sofortiger Vertragsabschluss möglich.

Dem Vorstand lag jedoch an der Verteidigung seines Angebotes. Die 1. Vorsitzende Frau Ines Greiner Kramer, Schriftführer Dr. Bernd Zernke und der Schatzmeister Thomas Weigel stellten sich den Fragen von Frau Liebernickel und einer Mitarbeiterin. Wie sich zeigte, gab es Klärungsbedarf. Die Tierschützer beantworteten Fragen zur Unterbringung von gefährlichen Hunden, eventueller Überbelegung, Tierarztkosten und der berechneten Kostenpauschale.

Schatzmeister Weigel erklärte: „Jede Pauschale wird individuell ermittelt. Eine Pauschale könne nicht an einer Einheitsumlage festgemacht werden. Anforderungen und Tieranzahl sind unterschiedlich. Allerdings verursache die Vorhaltung von Ressourcen und Personal erhebliche Fixkosten, die nicht mehr an der Menge der aufgenommenen Tiere festgemacht werden können.“ Die Höhe der Pauschale für Freiberg lässt sich über eine detaillierte Auswertung der Tierbestände berechnen.

Eine Überschlagsberechnung an Hand der wichtigen Grundkosten weist annähernd den gleichen Betrag aus. Mit diesen Zahlen könne sich das Tierheim auch mit Werten des Deutschen Tierschutzbundes vergleichen, wo jeweils ein Pfleger für die Betreuung von neun Tieren steht. Steht der Aufwand für Reinigung und Betreuung in einem ordentlichen Verhältnis, so steht die Kostenerstattung auch auf gesunden Füßen.

Weiterhin verdeutliche der Schatzmeister Thomas Weigel, dass sich viele Ausgaben nicht negativ auf die Kostenerstattung auswirken. Besonders die Sanierung des Tierheimdaches 2011 mit Spendengeldern, oder die Errichtung der biologischen Kläranlage 2015 mit Fördermitteln der Landesdirektion Sachsen wirke sich nicht auf die Kostenerstattung aus. Zu Auswirkungen käme es nur, wenn man genannte Baumaßnahmen über Kredite finanzieren würde.

Mit der Betreuung von über 350 Pensionstieren im Jahr fällt ein weiterer Kostenbetrag aus der Kalkulation heraus.

Es gibt Tierheime in Sachsen, die keine Tierpension anbieten (können) und die vollen Kosten des Tierheimbetriebes in die Erstattungspauschale einfließen. Ebenso verhält es sich mit der Aufnahme von Tieren aus privaten Gründen, wie Pflege- oder Sterbefälle und bei der Unterstützung anderer Vereine. In dieser Hinsicht würde das Tierheim „Albert Schweitzer“ sehr viel unternehmen, dass die Kosten moderat und kalkulierbar bleiben.

Rund 100 „Tierpflegepaten“ unterstützen die Betreuung von kranken und Pflege bedürftigen Tieren. Sie tragen durch regelmäßige Spenden einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung dieser Tiere.

Letztendlich wiesen wir darauf hin, dass die weitere Erhöhung des Mindesteslohnes zum 01.01.2017 von allen anderen Vertragspartner angenommen wurde. Dieser Kelch gehe ebenfalls an der Stadt Freiberg vorbei, da das aktuelle Angebot keine Erhöhung zu dem 2014er enthielte. Dies ergäbe sich aus der individuellen Kalkulation der Pauschale.

Zum Abschluss verwies Frau Liebernickel auf vorliegende Angebote, wo nach aktueller Lage das Tierheim in Freital in Frage kommen würde. Seitens der Stadt hätte man die Einrichtung besucht und in Augenschein genommen.

„Falls dies die Lösung ist, wäre das eine Verschlechterung für den Verlierer eines Tieres und würde zu erheblichen Kosten führen, wenn der Besitzer sein Tier zurückhaben möchte.“ erwiderte die 1. Vorsitzende Frau Ines Kramer.

Der Tierschutzverein Freiberg e.V. bedauert nun zum 2. Mal, dass eine solide Kalkulation unter Berücksichtigung des Mindestlohnes immer noch als Barriere für einen neuen Vertrag mit der Stadt Freiberg zu werten ist. Während die in Vertrag stehenden Gemeinden sich keinen anderen Partner vorstellen können, werden die Bleistifte in Freiberg besonders spitz gehalten.

By | 2017-01-26T16:38:09+00:00 28.12.2016|Informationen|0 Comments

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